""

Mutter werden, Mutter sein: ankommen in der Mutterrolle

Man könnte meinen, meine Kinder seien gerade erst geboren worden. Denn bei dem Titel dieses Beitrags sollte man ja davon ausgehen, dass ich mich mit meiner Rolle als Mutter schon kurz nach der Geburt auseinandergesetzt habe. Ich muss aber sagen: erst jetzt, da P. und T. im Oktober zwei Jahre geworden alt sind, habe ich das Gefühl, so langsam in meiner Mutterrolle angekommen zu sein.

Auch wenn zwischen diesen beiden Ereignissen kein direkter Zusammenhang besteht, so ist es trotzdem so, dass ich mir rund um den 2. Geburtstag der Kinder viele Gedanken um das Thema „Ich bin jetzt Mutter“ gemacht habe.

Vom Typ her war ich schon immer sehr selbständig und recht unabhängig und mir war es immer sehr wichtig, meine eigenen Ansichten und Wünsche „durchzusetzen“. Außerdem habe ich immer sehr auf mich geachtet und zum Teil etwas eigensinnige Entscheidungen getroffen, was mir oft das Image einer Egoistin eingebracht hat. Zusätzlich bin ich ein totaler Planungs- und Kontrollfreak und bin relativ schlecht darin, Ungeplantes und Unvorhergesehenes zu akzeptieren und damit umzugehen.

Und plötzlich waren da zwei Würmer, die genau entgegen meines Charakters ihre eigene Aufmerksamkeit forderten und mich zwangen, meine eigenen Bedürfnisse zum Teil ganz weit hintenan zu stellen. Zu Beginn war ich zu sehr damit beschäftigt, P. und T. ganz normal zu versorgen, so dass es mir nicht so sehr auffiel, dass ich so langsam in seelische Schieflage geriet. Mein Schlüsselerlebnis kam etwa fünf Monate nach P.’s und T.’s Geburt, als ich vollkommen darüber ausrastete, nicht wie geplant einen Parkplatz im P+R-Parkhaus zu bekommen und gezwungen war, mir eine andere Parkmöglichkeit zu suchen. Ich erinnere mich genau, dass ich wütend vor mich hinschrie: „Wann gehört mein Leben wieder mir?“.

Das Gefühl der Fremdbestimmtheit, des totalen Kontrollverlusts über mein Leben und dass meine eigenen Bedürfnisse phasenweise kaum zählten, hat mich lange Zeit ziemlich fertig gemacht. Außerdem dachte ich oft „Ich müsste doch jetzt eigentlich glücklich sein, denn ich habe das, was ich immer wollte.“ Nur leider macht es einen nicht immer glücklich, das zu haben, was man wollte… Das alles zu akzeptieren und für mich einen Weg aus meiner seelischen Schieflage zu finden mich in den letzten Monaten sehr viel Kraft gekostet – aber ich habe es geschafft!

Ich bin immer noch jemand, der gerne die Kontrolle hat bzw. behält, der gerne plant und am liebsten alles im Voraus wissen und kennen möchte. Ich bin so und das wird sich sicher auch so schnell nicht ändern. Aber ich habe inzwischen gelernt, etwas besser damit umzugehen und zumindest in Bezug auf die Kinder ein gewisses Maß an Unplanbarkeit zu akzeptieren. Außerdem bin ich generell etwas entspannter geworden und nutze die Zeit mit den Kindern nun meist etwas intensiver als vorher und genieße sie auch mehr. Sicher hat es auch etwas damit zu tun, dass sie immer selbständiger werden und ich in einigen Teilen mein Leben wieder „wie früher“ leben kann, auch wenn sich vieles jetzt einfach anders anfühlt als früher und sich meine Prioritäten eindeutig verschoben haben.

Ja, ich habe fast zwei Jahre gebraucht, um diese neue Rolle, die mein Leben maßgeblich bestimmt, anzunehmen. Ist das ein Makel? In meinen Augen keineswegs! Nur weil auf einmal zwei kleine Würmer ins Leben stürmen, heißt das noch lange nicht, dass man ganz natürlich von jetzt auf gleich seine neue Rolle gut ausfüllt und lebt. Manche Dinge brauchen einfach seine Zeit. Und mal ganz ehrlich: wenn man 32 Jahre lang eine bestimmte Rolle gewohnt ist und plötzlich eine andere annehmen muss, wer schafft das so problemlos? Wie vieles im Leben ist auch das Muttersein nichts, was man von jetzt auf gleich intuitiv beherrscht. Es ist eine Rolle, in die man ebenso reinwachsen muss wie bei einer neuen Arbeitsstelle oder allgemein bei einem neuen Lebensabschnitt.

Außerdem weiß man, entgegen aller Aussagen à la „Aber du wolltest es doch so! Du wusstest doch, worauf du dich einlässt.“ ja leider doch nicht wirklich, was da auf einen zukommt (zumindest nicht, wenn das erste Kind da ist bzw. die ersten Kinder direkt Zwillinge sind). Erst wenn man „mit dem Hals tief in der Scheiße hängt“, weiß man so richtig, was das Leben mit Kindern alles mit sich bringt und was es für einen selber bedeutet.

Nach zwei Jahren „Einarbeitung“ habe ich es nun also halbwegs geschafft und bin in meinem „neuen Job“ angekommen. Geändert hat sich dadurch für mich alles und nichts: Freundschaften haben sich geändert, mein Alltag und meine Lebensstruktur haben sich geändert, meine Ansichten haben sich geändert und doch ist sehr Vieles gleich geblieben – mit dem Unterschied, dass ich nun zwei wundervolle, zuckersüße und zum Teil höllisch nervige und anstrengende Kinder habe, die mein Leben jeden Tag ein bisschen schöner machen. Kündigen kann ich meinen neuen Job nicht und auch wenn ich es mir in manchen Momenten wünsche, es doch zu können, so sind die vielen schönen Momente mit P. und T. doch jeden höllischen Tag wert. Ja, ich bin jetzt Mutter, mit allem, was dazu gehört. Das habe ich nun endgültig akzeptiert. Ich bin angekommen!

 

Wie erging es euch? Wie lange habt ihr gebraucht, um eure neue Rolle als Mutter oder auch Vater anzunehmen? Was hat euch das Ankommen schwer gemacht? Ich freue mich, wenn ihr mir von euren Erfahrungen berichtet.

Ein Kommentar zu “Mutter werden, Mutter sein: ankommen in der Mutterrolle

  1. Danke für den offenen Text, bin grade mitten drinnen meine neue Rolle zu finden und erkenne mich in der Personenbeschreibung selbst wieder. Es fällt mir noch oft schwer das pendeln zwischen Freude und Überforderung zu meistern. Konnte jetzt nach dem Lesen tief durch atmen denn dann habe ich alle Zeit mich richtig ein zu finden. Und meine Eigenschaften etwas anzupassen zur neuen Lebenssituation.

    Danke Für die Beruhigung
    LG Babsi

Kommentar verfassen