Gedanken zum 3. Geburtstag

Heute ist der 15.10. Ein Datum, das auf immer und ewig mein Leben verändert hat. Denn heute haben Paula und Theo (so nenne ich unsere Kinder hier auf dem Blog ab sofort, damit ich nicht mehr P. und T. schreiben muss 😉 ) Geburtstag! Wie auch die Jahre zuvor bin ich sehr sentimental gestimmt, nah am Wasser gebaut und viele Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Als ich eben an meinem freien Tag beim Friseur auf dem Stuhl zum Haare waschen saß, dachte ich: „Heute vor drei Jahren lag ich um diese Zeit im Kreißsaal“. Naja, eigentlich wartete ich zu der Zeit noch darauf, dass die Narkose endlich vernünftig gelegt werden kann und es los geht. Jetzt, zu diesem Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, war alles geschafft und unsere beiden Süßen waren nach schier endlos lange wirkenden 9 Monaten endlich auf der Welt.

Seitdem ist nichts wie es war. Ok, nicht nichts. Aber es hat sich doch sehr viel verändert. Ich habe mich verändert. Und mein Leben drum herum auch – trotz einiger Konstanten, die es natürlich trotzdem gibt. Aber ich kann schon sagen, dass mein Leben heute ein anderes ist als es das vor der Geburt von Paula und Theo war (ich muss mich an die „neuen Namen“ erst noch gewöhnen 😀 ).

Letztes Wochenende waren die Kinder über Nacht bei den Großeltern und mein Mann hatten mal wieder etwas Zeit für uns. So schön es auch war: Es war komisch, zuhause zu sein, ohne das Kindergeschrei zu hören, die Geräusche beim Spielen, nicht gemeinsam zur gewohnten Zeit gemeinsam zu Abend zu essen und keine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Ich kann es mir einfach nicht mehr vorstellen, wie es vor den Kindern war, auch wenn es durchaus Aspekte gibt, die ich sehr vermisse. Aber ein Leben komplett ohne die Kinder? Nein, das übersteigt meine Vorstellungskraft!

Wenn  ich also auf die letzten drei Jahre schaue und überlege, was in der ganzen Zeit so passiert ist, so fällt mir doch eines am Meisten auf: Ich habe mich in die Welt der Gegensätze begeben. Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich innerlich so zerrissen gefühlt wie jetzt mit den Kindern. Das meine ich gar nicht so negativ wie es vielleicht gerade klingt. Ich will damit nur sagen, dass ich noch nie im Leben einen solche Ambivalenz gespürt habe: Ich liebe die Kinder über alles, aber es gibt Momente, die kaum auszuhalten sind mit ihnen und in denen ich, extrem gesagt, sogar so etwas wie Hass verspüre (wobei Hass ein zu absolutes Wort ist – ich würde eher auf eine Stufe zwischen Unmut und Hass gehen, für die ich aber ehrlich gesagt kein passendes Wort finde). In einem Moment bin ich gut gelaunt und im nächsten, kaum dass sie sich wieder mal streiten und hauen, erwische ich mich beim Brüllen und Motzen. Es gibt Momente der Nähe, die ich unendlich genieße, aber es gibt auch Momente der emotionalen Distanz, in denen ich Unverständnis und eine gewisse Abneigung verspüre. Ich bin in den letzten drei Jahren oft über mich hinaus gewachsen, aber auch oft an mir selbst gescheitert.

Ich könnte die Liste der Gegensätze unendlich weiterführen. Worum es mir geht: Ich habe nie zuvor in meinem Leben eine solch extreme Ambivalenz verspürt, die auszuhalten ich erst lernen musste. Das war nicht einfach und hat mich auch viel Kraft gekostet. Inzwischen fällt es mir aber wesentlich leichter, die unterschiedlichen Extreme auszuhalten und sie auch beide als berechtigte Gefühle anzuerkennen. Ich muss meine Kinder nicht immer toll finden und darf das auch so spüren! Man, was habe ich gekämpft, bis ich das so sehen konnte!

Aber auch auf anderen Ebenen hat sich mein Leben verändert. Ich habe mein Masterstudium abgeschlossen und beruflich im Social Media-Bereich Fuß gefasst und viel dazu gelernt. Ich habe neue Hobbies begonnen (Yoga und Nähen), neue Ansichten gewonnen und bin in neue Strukturen hinein gewachsen.

Wäre ich dort, wo ich jetzt bin ohne meine Kinder? Beruflich vielleicht schon. Aber gedanklich und emotional sicher nicht. Ich habe in den letzten drei Jahren so viel über mich selbst und von meinen Kindern gelernt, dass ich mehrere Bücher schreiben müsste, um alles zu erzählen. Das würde natürlich diesen Blog ein wenig sprengen, aber ich kann sagen, dass ich noch nie so nah an mir selber dran war wie heute und dass ich mir meiner selbst nie mehr bewusst war als heute. Auch wenn das ein langer, zum Teil sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess war, der auch nie richtig abgeschlossen sein wird, bin ich dankbar für alles, was diese Zeit mit sich gebracht hat.

Ohne die Kinder hätte ich weniger zu lachen, mehr Schlaf, weniger zu kuscheln, mehr Nerven, weniger Liebe, mehr Freizeit, weniger Freude, mehr Selbstbestimmung, weniger Erfüllung, mehr Freiheiten. Die Extreme setzen sich fort und werden es auch weiterhin. Aber ich habe noch nie so eine Liebe verspürt, wie ich sie meinen Kindern gegenüber empfinde und wie sie auch von ihnen zurückkommt! Und DAS ist für mich das allerwichtigste im Leben (geworden), was alles Negative in den Schatten stellt.

Alles Liebe zum Geburtstag, Paula und Theo, die Lieben meines Lebens!

Eure sentimentale Mama 😉

3 Kommentare zu “Gedanken zum 3. Geburtstag

  1. Alles gute! Meine beiden zweieiigen Mädels wurden am 16.7 drei jahre alt und deine Worte treffen meine Gefühle und Gedanken zu 100
    Prozent.

    1. Das ist schön zu hören 🙂 Und danke für die Glückwunsche! Auch von mir alles Gute nachträglich, auch wenn es schon drei Monate bei dir her ist 😉

Kommentar verfassen